ohne Titel,
Klebeband, Schaumstoff
auf
Holz, Moos,
124cm x 30cm x 15cm, 2016

Die Plastiken von Lukas Hoffmann sind eine visuelle Falle. Der Betrachter wird zunächst ästhetisch in den Bann geschlagen, um ihn dann in weitreichende Reflexionen zu verwickeln. Die Plastiken entstehen in einem aufwändigen Akt der Verpackung. In einem teilweise sehr langwierigen Arbeitsprozess werden große Stücke toten Holzes, Fundstücke aus einem Wald mit einer bunten Hülle aus Schaumstoff und Klebebändern überzogen. In den außen vollkommen künstlichen Riesenbonbons verbirgt sich also das Organische und pars pro Toto hat der symbolträchtige Wald hier einen durchaus dramatischen Auftritt. Wo saubere Eindeutigkeit zu vermuten war, tut sich ein tiefes Netz von Assoziationen auf, das insbesondere die Gegensätze des Naturbegriffes enthält: Aufgehoben-sein und Freiheit auf der einen Seite, Ohnmacht und unentrinnbaren Verfall auf der

anderen Seite. Obwohl die Plastiken von anziehender Schönheit und gekonnt ausgewogener formaler Spannung sind, scheint dem Akt der Verpackung, dem das Holzstück unterzogen wird, eine subtile Gewalt inne zu wohnen. Man kann den Eindruck gewinnen, das Holz werde von seinem strahlenden Kleid gleichsam erstickt, und damit ein zweites Mal symbolisch getötet, ähnlich den Opfern des Bösewichtes aus „Goldfinger“, die durch einen vollständigen Überzug aus Blattgold eliminiert werden. Im Ganzen entsteht so das starke Bild einer tiefgreifenden Transformation des Natürlichen, die einer Auslöschung gleichkommt, als hätte man die DNA des ursprünglichen Baumes vollständig umgeschrieben, um ein brandneues Zivilisationsprodukt zu erhalten, von dem nicht ganz klar ist, ob es sich durch perfekte Angepasstheit oder eher durch chaotische Monstrosität auszeichnet.

 

Ein weiteres Thema, das sich mir beim Nachdenken über diese Arbeiten aufdrängt, ist ihr Verhältnis zu den aktuellen visuellen Codes, die oft gleichzeitig die Sphäre der Konsumgüter und die der bildenden Kunst durchziehen. Bei Oberflächlicher Betrachtung könnte man vielleicht versucht sein, in den Plastiken das gegenwärtige Cutting Edge des Interieur Designs zu erkennen, obwohl schon die Ausdruckskraft und die kompositorische Dichte einen deutlichen Hinweis darauf gibt, dass eine solche Einordnung zur kurz griffe. Ich glaube, dass Lukas Hoffman mit diesen Arbeiten weder einer bloßen Faszination für die fortschrittlichste ästhetische Mode erliegt, noch eine solche Faszination einfach nur kritisiert. Vielmehr scheint er aufmerksam die Ambivalenz zu beobachten, die wohl viele gegenüber dem avanciertesten Style ihrer Zeit empfinden. Dessen visuelle Intelligenz, Anziehungskraft und Frische kommen dabei genauso in den Blick, wie dessen Funktion als Motor einer längst absurd gewordenen Maschinerie des Konsums, die in letzter Konsequenz das Leben bedroht.

 

Andreas Woller